Schüler lernen eigene Stärken und Schwächen kennen / Vier Pilotklassen

Lernen, glücklich zu werden – das können Kinder seit diesem Schuljahr im Bildungsunternehmen Dr. Jordan in Fulda. Die Einrichtung ist die einzige Schule im Landkreis Fulda, die „Glück“ als Unterrichtsfach anbietet.

„Wir haben in den vergangenen Jahren festgestellt: Es gibt immer mehr Schüler, die Angst vor der Schule haben. Die den Unterricht eher erdulden, als ihn mitzugestalten“, erklärt Elke Knoll. Sie ist eine von drei Lehrkräften, die seit Mai an einer Fortbildung in Heidelberg teilnehmen, um „Glück“ als Schulfach unterrichten zu können. Viele Kinder hätten den Eindruck, dass es in der Schule nur noch ums Lernen geht. „Für die Persönlichkeitsbildung ist kaum Raum – dabei sollte sie neben der Wissensvermittlung immer dazugehören“, sagt Elke Knoll. 

Bei „Glück“, das in das Pflichtfach Ethik integriert ist, geht es deshalb darum, dass die Schüler ihre eigenen Potenziale und Defizite entdecken – Stärken, Schwächen, Träume und Bedürfnisse. „Glück hat viel mit Emotionen zu tun. Die Kinder sollen sich öffnen, in sich hineinhorchen“, erläutert Sandra Hartung, die das Fach in der Grundschule unterrichtet. Auch in der Realschule und dem Wirtschaftsgymnasium des 700 Schüler zählenden Bildungsunternehmens gibt es „Glück“ auf dem Stundenplan.„Auch wir Lehrer öffnen uns dabei. Ich habe in den zurückliegenden Monaten viel gelernt und kann das ebenso in meinen anderen Fächern einsetzen – und auch im Privatleben“, fügt Fabian Seibert hinzu, der normalerweise Sport, Geschichte und Politik unterrichtet. Er nennt Motivations- und Energieübungen als Beispiele. Zugleich betont er:„Glück ersetzt nicht die binomischen Formeln oder ‚Effi Briest‘, sondern ergänzt sie.“ 

Die Kinder lernen darüber hinaus, mit Fehlern umzugehen und das eigene Verhalten zu reflektieren. Im Idealfall sind die Schüler dann mit sich und anderen im Einklang. „Am Anfang waren manche Schüler skeptisch. Aber die meisten haben schnell gemerkt, dass dieses Fach etwas richtig Gutes für sie ist“, sagt Elke Knoll. Durch die Konfrontation mit den eigenen Stärken und Schwächen falle später zudem die Berufs- oder Studienwahl leichter.

Bei den Schülern kommt das neue Fach ebenfalls gut an – trotz anfänglicher Bedenken: „Das Konzept klang für uns schon komisch“, gibt die 16-jährige Katharina aus der Klasse 10 zu. Mittlerweile seien sie aber überzeugt: „Glück läuft ganz anders ab als der übliche Unterricht. Man muss sich mit sich selbst beschäftigen, über sich sprechen. Das  erfordert Überwindung“, sagt die Burghaunerin. 

„Glück“ als Schulfach basiert auf der Idee des in Fulda geborenen Pädagogen Ernst Fritz-Schubert, der ein Institut in Heidelberg gegründet hat und leitet. Das Bildungsunternehmen Dr. Jordan will das Konzept „Glück“ ausbauen. „Die Fortbildung für die drei Lehrer kostet uns 50 000 Euro. Das ist aber eine gute Investition“, sagt der Inhaber des Bildungsunternehmens Professor Dr. Lothar Jordan.

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Quelle: Fuldaer Zeitung vom 15.11.2018 | Text: Sebastian Kircher

Foto: Pixabay

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